Vom Aussterben bedrohte Schmetterlinge bei Uelzen entdeckt

Das BUND-Vorstandsmitglied Dr. H. Göttsche führte Schmetterlings-Kartierungen im Kreis Uelzen durch, besonders entlang des Elbe-Seitenkanals (ESK) zwischen Bad Bevensen und Wieren, sowie auf dem "Kanalberg" bei Gr. Liedern. Bei den Beobachtungen seit 1992 zeigt sich immer deutlicher wie wichtig die wildblütenreichen Wegränder und Hänge entlang der Kanaltrasse sowie die kleinen und größeren naturnahen Kanalrand-Biotope sind: z.B. die Jastorfer Grasnelkenhänge, der Kanalberg und die Brache bei Wieren. Es entstand offenbar eine Biotop-Vernetzung über teilweise große Strecken!

In unserer an Wildblumen immer ärmeren Agrar- und Straßenlandschaft, in der die ursprüngliche Ackerrand-Vegetation und die davon abhängigen Tiere durch Pflanzenschutzmittel, Düngen und das Heranpflügen fast bis an den Weg oder durch die Flächenversiegelung verschwinden, ist die Artenvielfalt der Schmetterlinge in den kanalnahen Biotopen auffällig! Im Jahr 2002 waren es etwa 70 zum Teil bedrohte Arten!.

Diese ist nur erklärlich durch eine Süd-Nord-Wanderung der Falter entlang der Kanaltrasse und vielleicht sogar durch eine Ost-West-Wanderung aus der Elbtalaue entlang der jahrzehntelang brachliegenden Bahntrasse, die bei Bollensen den Kanal unterkreuzt!

Durch die Bahntrassen-Erneuerung und den Schleusen-Neubau ist eine Wanderung sicher vorübergehend gestört. Um so wichtiger ist es jetzt, dass wenigstens die beidseitigen Kanalwege und -hänge blütenreich bleiben und nicht so radikal und häufig gemäht werden wie in diesem Jahr! Dann könnten diese Biotope für Schmetterlinge als attraktive Flug- und Wanderzone mit Nahrungsangebot für Falter und Raupe erhalten bleiben!

Nur wo Blüten sind, gibt es Schmetterlinge!
- und beide erfreuen die Menschen.
  

Uelzen, den 19.11.02
Dr. Helga Göttsche
 


Dazu: Veröffentlichung im Jahrbuch 2004 des Naturwissenschaftlichen Vereins Lüneburg:
Göttsche, H. (2004): Schmetterlings-Refugien am Elbe-Seitenkanal im Vergleich zu anderen Biotopen im Landkreis Uelzen.

Nach Gesprächen und regelmäßigen Rückmeldungen wurden vom Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen Wirtschaftswege und Hänge z.T. durch Schafbeweidung, z.T. durch Mahd von wechselnden Teilstrecken und Gehölzentfernung gepflegt und damit wieder zu deutlich interessanteren Blüten- und Schmetterlingsbiotopen - auch für Touristen!

Bis Ende 2006 wurden an Tagfunden am ESK mehr als 145, im gesamten Landkreis mehr als 230 Schmetterlingsarten dokumentiert.
Selbst Tagfalter wie Gemeiner Bläuling (P. icarus) flogen am ESK im Jahr 2006 bis Mitte November! Im Jahr 2005 konnte Frau Dr. Göttsche bis zum 8. November dort sogar Goldene-Acht und Postillon beobachten!

02.03.2007



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