Die Zwerglibelle ist Libelle des Jahres 2018

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Zwerglibelle (Nehalennia speciosa) zur „Libelle des Jahres 2018“ gekürt. Der Umweltverband und die Libellenkundler geben damit zum siebten Mal in Folge die „Libelle des Jahres“  bekannt, um auf die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Von den 80 heimischen Libellenarten stehen neben der Zwerglibelle 48 Arten auf der Roten Liste gefährdeter Insekten.

Mit nur 20-25 mm Körperlänge ist die Zwerglibelle die kleinste unter den heimischen Libellen. „Als hochspezialisierte Art steht sie stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten und deren Lebensraum in bedrohten Mooren. Und diese bedürfen des besonderen Schutzes“, sagt Maike Sprengel-Krause, Libellenexpertin beim BUND Niedersachsen. „Obwohl Niedersachsen das moorreichste Bundesland Deutschlands ist, ist die Zwerglibelle hierzulande extrem selten: Aktuell ist in Niedersachsen nur noch ein einziges Vorkommen in einem ehemaligen Handtorfstich in der Lüneburger Heide bekannt."

Gemeinsam mit anderen engagierten Naturschützern hat Sprengel-Krause die Libellenfauna der Moore in unserer Region untersucht. Sie kennt die oft wenigen Quadratmeter im Moor, deren Sonneneinstrahlung und Gräserzusammensetzung in Verbindung mit dem Wasserstand passen könnten, damit die Zwerglibelle hier wenigstens theoretisch leben könnte. Nein die Stecknadel im Heuhaufen würde ihr kaum entgehen.

Neben der natürlichen Seltenheit ihrer Lebensräume verschärft sich die Situation der Zwerglibelle – und ökologisch verwandter Arten – auch nach Beendigung der Trockenlegung von Mooren  durch umweltbedingte Veränderungen: Klimawandel und der Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt führen zu einem immer weiteren Schrumpfen der Populationen. „Nährstoffeinträge auch aus der Luft verändern die Vegetation. Pflanzenarten, die gut mit nährstoffreichen Böden zurechtkommen, verdrängen die empfindlicheren Arten. Der Artenreichtum nimmt auch hier wie überall in unserer Landschaft massiv ab und das ganze daran gebundene Ökosystem verarmt.“, erklärte die BUND-Expertin.

Obwohl Libellenkundler schon viel über die Lebensweise der Zwerglibelle wissen, gibt ihnen die Art noch immer Rätsel auf. „Um die Zwerglibelle und andere seltene Insektenarten langfristig zu schützen, ist eine breitere Feldforschung von Experten ebenso nötig, wie das genaue Hinschauen einer breiten Öffentlichkeit“, betont Sprengel-Krause. „Dabei müssen das bürgerschaftliche Engagement und die universitären Angebote für mehr Natur‐ und Artenkenntnis weiter gestärkt und die gewonnenen Erkenntnisse in einem Zentrum für Artenschutz zusammengeführt werden.“



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