Hornissen sind keine Horrorwesen

"3 Hornissenstiche können einen Menschen töten und 7 ein Pferd". Diese oder ähnliche Schauergeschichten lösen bei vielen Menschen Ängste und Unsicherheiten aus, wenn sie mit dieser größten heimischen Wespenart in Kontakt kommen. Tatsächlich ist der Stich einer Hornisse nicht gefährlicher als etwa der einer Honigbiene. Abhängig von der individuellen Konstitution kann erst etwa ab 50 Stichen von einer Gefahr gesprochen werden. Das Risiko derartig vieler Stiche liegt jedoch praktisch bei null. Wirklich gefährdet sind nur Personen, die allergisch auf bestimmte Eiweißstoffe im Insektengift reagieren. Diese Gefahr ist aber bei Hornissen nicht größer als bei anderen Insekten.

Verhalten und Verhaltensregeln

Die Hornisse (lat. Vespa crabro) zählt zu den sozialen Faltenwespen. Im Unterschied zu der oftmals als lästig empfundenen Deutschen Wespe (lat. Paravespula germanica) oder der gGemeinen Wespe (Paravespula vulgaris) sind Hornissen nicht sehr versessen auf Süßes. Als Raubinsekten ernähren sie sich und ihre Larven vor allem von anderen Insekten. Generell gilt daher, dass Hornissen den Menschen auf der Nahrungssuche nicht direkt anfliegen. Außerhalb ihres Nestbereichs sind Hornissen nicht aggressiver und angriffslustiger als Hummeln. Dies gilt auch, wenn ein Exemplar in der Dämmerung - wie es mitunter vorkommt - von einem hell erleuchteten Zimmer angezogen wird und durch ein geöffnetes Fenster einfliegt. Nur in einem Abstand von 3 - 4 m um das Nest herum ist Vorsicht geboten. Dieser Kreis ist vergleichsweise klein, normale Bienen haben einen Nestbereich von etwa 30 m. Im Nestbereich reagieren Hornissen besonders sensibel auf Störungen wie plötzliche Erschütterungen, heftige Bewegungen oder das Verstellen der Flugbahn. Solche Störungen werden als Bedrohung aufgefasst und lösen Verteidigungsreaktionen aus. Bevor Hornissen aber direkt angreifen, warnen sie Störer durch immer zahlreicher werdendes Umfliegen. Dann ist es an der Zeit, sich vorsichtig aus dem Nestbereich zurück zu ziehen.

Der Hornissenstaat

Die Hornissenkönigin gründet den Staat etwa im Mai. Hornissen bevorzugen große, warme und trockene Hohlräume, was der Grund dafür ist, dass sie sich gelegentlich auch in Siedlungsnähe oder in Gebäuden niederlassen. Zumeist werden die Hornissen dann erstmals bemerkt, wenn die Population Ende Juli/August ihren zahlenmäßigen Höhepunkt erreicht. Zu dieser Zeit ist das Hornissenvolk schon seit etwa 10 Wochen unbemerkt zu Gast und hat nur noch etwa 8 Wochen vor sich, denn bereits im September nimmt die Zahl der Hornissen deutlich ab. Hornissenvölker - einschließlich der Königin - sterben zwischen Mitte Oktober und Anfang November ab. Der verlassene Wabenbau wird kein zweites Mal bezogen, es kann aber vorkommen, dass im nächsten Jahr eine Jungkönigin den alten Platz wieder als geeigneten Standort ausmacht und ein neues Nest errichtet wird. Die Einflugmöglichkeiten sollten daher im Winter verschlossen bleiben.

Hornissen stehen unter Artenschutz

Hornissen stehen wie Hummel, Wildbienen und bestimmte Wespenarten nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Es ist daher u.a. verboten, sie zu töten oder ihre Niststätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören (§ 42 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz). Die Umsiedlung oder gar die Vernichtung eines Hornissenvolkes bedarf der vorherigen Ausnahmegenehmigung durch den Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als obere Naturschutzbehörde.

Umsiedlung als Ausweg in Konfliktfällen

Bei Beachtung der beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen im Nestbereich ist es in aller Regel gar nicht nötig, etwas gegen ein Hornissennest zu unternehmen.Manchmal helfen auch kleine bauliche Veränderungen zur Lenkung der Flugbahn, der Einsatz von Fliegengittern, das Abdichten von Fugen oder das Versprühen ätherischer Öle. Nur in Ausnahmefällen, wie z.B. bei Hornissennestern in Kopfhöhe direkt über der Eingangstür, bekannten Allergien, Kleinkindern in unmittelbarer Nähe oder unaufschiebbaren Arbeiten kann eine Umsiedlung der ratsame Ausweg sein.

Hornissenberater im Landkreis Uelzen

Seit einiger Zeit stehen für den Landkreis Uelzen drei ehrenamtliche Ansprechpartner für Informationen rund um den Hornissenschutz und die Beratung vor Ort zur Verfügung. Die Hornissenberater führen - falls erforderlich - auch Umsiedlungen durch. Tipps und praktische Ratschläge für den Umgang mit Hornissen erhalten sie natürlich auch beim Landkreis Uelzen, der unteren Naturschutzbehörde.



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