DIE GEMEINE KEILJUNGFER – LIBELLE DES JAHRES 2017

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen GDO haben die Gemeine Keiljungfer zur Libelle des Jahres 2017 erklärt.
Maike Sprenge-Krause stellt sie uns vor:

Als Flussjungfer hat die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) bei uns eine bewegte Geschichte. Betrachtete man sie Mitte des 18. Jhd. als „die Häufigste/Gewöhnlichste“ (vulgatissimus) ging ihr Bestand im 20. Jhd. bei uns massiv zurück. 1983 erhielt sie in Niedersachsen den Rote Liste 1 Status – vom Aussterben bedroht – und schien kaum noch zu retten zu sein. Libellen gelten als Bioindikatoren für Qualität und Unterschiedlichkeit der Gewässertypen.

Lebensraum der Gemeinen Keiljungfer sind die sandigen Mittel- und Oberläufe von Flüssen sowie die Bachunterläufe. Weniger typisch tritt sie bei uns auch gelegentlich an sandigen Seen, oder offen gelassenen Sandgruben mit geeigneter Ufervegetation auf, so z.B. bei Rosche und im Haspelbiotop am Oldenstädter See.

Der Landkreis Uelzen mit der Ilmenau und ihren Quellflüssen Gerdau, Hardau und Stederau bot der Keiljungfer vor hundert Jahren noch ausgezeichnete Lebensräume. Aber die Heidebäche waren Ende des 20.Jhd. nicht mehr sauber genug, die Kläranlagen unzureichend in ihrer Wirkung. Besonders zugesetzt hat der Art das Ausbaggern der Heideflüsse als regelmäßige Gewässer-Unterhaltungsmaßnahme.

Bei umfangreichen Untersuchungen der Libellenfauna im Landkreis Uelzen 1980 (von Hans-Peter Rauh, Gunther Schnebel u.a.) gab es keine Funde der Gemeinen Keiljungfer mehr. Ihr ging es ebenso wie der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia): der Bestand war komplett zum Erliegen gekommen. Auch die Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii), die ein ganz ähnliches Ökosystem benötigt und nur etwas weiter fluss-/ bachaufwärts zu finden ist, wurde nur noch in wenigen Einzelexemplaren im Südwestkreis gefunden.

Die Larven der Fluss- und Quelljungfern leben vier, manche bis zu fünf Jahre eingegraben im feinsandigen bis kiesigen Gewässergrund und erbeuten von dort mit einer ausgefeilten und ihnen  ganz eigenen Jagdtechnik ihre Nahrung, bevor sie  uns als „Juwelen der Lüfte“ für nur wenige Wochen ab Mai erfreuen.

Ein „Störfall“ im Gewässer bedeutet aber auch, dass bis zu fünf Generationen zunichte gemacht sein können

Nicht zuletzt die BUND Kreisgruppe Uelzen war es, die immer wieder das Gespräch mit den Wasser- und Bodenverbänden suchte und das ständige Ausbaggern der Fließgewässer öffentlich anprangerte. Denn es waren nicht nur die Flussjungfern und die Quelljungfern, die vor dem Kollaps standen.

Alle drei Arten haben sich inzwischen erholt und mit ihnen das gesamte Ökosystem unserer Fließgewässer „Ilmenau mit Nebenbächen“, das jetzt als FFH-Gebiet (FFH = Flora Fauna Habitat) einen besonderen Schutzstatus erhalten hat.

Zahlreiche weitere Arten wie z.B. das Bachneunauge, das Flussneunauge, die Mühlkoppe und auch der Eisvogel profitieren ebenfalls von den ökologischen Verbesserungen unserer Bäche und Flüsse.

Die "Ilmenau mit Nebenbächen" soll Tieren und  Pflanzen eine sichere Heimstatt bieten, doch sie benötigt selbst weiterhin unseren besonderen Schutz. Zu den wichtigsten Gefährdungen zählt heute der Eintrag von Nährstoffen und Feinsedimenten, die insbesondere über Ackerdrainagen und Erosion auf landwirtschaftlich genutzten Flächen über Gräben oder Straßenabfluss in die Heidebäche gelangen. Dies stellt das empfindliche Ökosystem Ilmenau und ihre Quellflüsse immer noch vor erhebliche Probleme.

Inzwischen zeigt sich die Gemeine Keiljungfer im Landkreis Uelzen wieder regelmäßig, auch wenn sie nicht zu den häufigen Libellen gehört. Die Libelle des Jahres 2017 schreibt somit Erfolgsgeschichte  und kann Mut machen. Trotz eines massiven Artensterbens insbesondere bei Insekten lohnt sich Naturschutz vor Ort, wie die Libelle des Jahres 2017 uns zeigt.

Vorerst bleibt die Art in der Roten Liste, aber um einige Stufen niedriger jetzt nur noch in der Vorwarnstufe, aber sie ist ein Spezialist der sensiblen Ökosysteme und damit hochempfindlich gegenüber Verunreinigung, Verschlammung, Nährstoffeintrag und Aufwühlungen am Gewässergrund auch durch exzessive Paddel-Events.

Maike Sprengel-Krause hat für den BUND die Libellenfauna in Heide, Elbmarsch und Wendland intensiv untersucht. Sie fand 62 verschiedene Libellenarten. Ihre Ergebnisse stellen einen wesentlichen Beitrag für den Libellenatlas für Niedersachsen dar, der in den nächsten Jahren reif für eine Veröffentlichung ist. 

Fotos:      ©Maike Sprengel-Krause

 

 

 

Uelzener Anzeiger am 23.11.2016

 

 

 

 

Entkusselungseinsatz im Ellerndorfer Moor am 14.11.2015

Am 14.11.2015 ab 10:00 Uhr haben wir im Ellerndorfer Moor mit vielen Leuten die Birken, Kiefern und besonders die Kulturheidelbeeren bekämpft, die wegen der Trockenheit der letzten Jahre wieder nachgewachsen sind.


An dieser Stelle informieren wir über unsere weiteren Einsätze im Moor.



 

 



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